Fusion-Projekte nach SolidCraft umziehen? Ich hab’s getestet

Thumbnail Video 243: SolidCraft Teil 2, Umzug aus Fusion

Unter Teil 1 sind über 300 Kommentare zusammengekommen, viele davon mit richtig guten Fragen. Die häufigste: Kann ich meine Fusion-Projekte mitnehmen, und zwar mit Zeitleiste? Ich habe es getestet, und das Ergebnis ist ernüchternd. Dazu gibt es Antworten auf eure anderen Fragen und einen Blick darauf, was sich seit Teil 1 getan hat. Und danke, dass der Kanal in der Zwischenzeit die 4.000 Abos geknackt hat. Das hätte ich so nicht erwartet.

Falls du Teil 1 verpasst hast: Hier ist der Blogpost dazu, alle Folgen findest du auch in der Playlist.

Fusion-Projekte mitnehmen: STEP statt F3D

Eine STEP-Datei ist reine Geometrie. Da steht drin, wie ein Teil aussieht, aber nicht, wie es gebaut wurde: keine Skizzen, keine Parameter, keine Zeitleiste. Die F3D-Datei, also das Fusion-eigene Format, hat die Zeitleiste dagegen mit drin. Nur öffnet SolidCraft sie nicht, und in die App kommt das auch nicht rein. Der Entwickler hat auf GitHub geschrieben, dass er Autodesk-Formate nicht in der Haupt-App entschlüsseln will. Ein separates Hilfsprogramm fände er okay.

Was heute schon geht, ist STEP, und das gar nicht so schlecht. Ich habe es an einem Infinity Cube ausprobiert, den ich mal selbst designt habe. Beim Import fragt SolidCraft, wie das Koordinatensystem aussieht: Manche Programme haben die Y-Achse oben, bei meiner Datei ist Z oben, also bleibt alles, wie es ist. Danach waren alle Körper des Würfels da. Ich konnte einen davon entfernen und in den Würfel hineinschauen, und das Löschen ließ sich über die Zeitleiste auch wieder rückgängig machen. Das Einzige, was fehlt, ist die Historie davor. Kein riesig komplexes Design, aber auch kein ganz simples, und es lief ohne Probleme.

Umzug mit Zeitleiste: nur 2 von 24 Körpern

Und die Zeitleiste? Ich habe versucht, sie über die Script-Schnittstelle von Fusion auszulesen und in eine SolidCraft-Datei übersetzen zu lassen. Der Weg stammt weder von SolidCraft noch von Autodesk. Ich habe mir den Ablauf vorher angeschaut und nur den Teil genutzt, der ein einzelnes offenes Design ausliest. Als Testobjekt diente wieder mein Infinity Cube: acht Würfel, die zusammen einen Klappwürfel ergeben, mit 53 Schritten in der Zeitleiste und 24 Körpern.

Das Auslesen hat super geklappt, und übersetzt wurden 46 von 53 Schritten, also 87 Prozent. Das klingt gut, aber nicht übersetzt wurden genau die letzten Schritte: Spiegeln, Kopieren, Verschieben. Und damit setze ich die Würfel zusammen. In SolidCraft scheitert dann schon die erste Phase, weil das Werkzeug Flächen und Kanten durcheinanderbringt. Am Ende kommen zwei von 24 Körpern an. Die 87 Prozent täuschen also gewaltig: Übersetzt heißt noch lange nicht, dass das Teil hinterher so aussieht wie gewollt.

Mein Zwischenfazit: STEP nimmst du heute schon mit, nur ohne Zeitleiste. Der Umzug mit Zeitleiste klappt in meinem Test noch nicht.

Fusion Personal ist doch gratis, wo ist der Unterschied?

Stimmt, Fusion ist ein richtig gutes Programm, und für Hobby ist es kostenlos. Ich war da selbst nicht ganz unschuldig: Im ersten Thumbnail von Teil 1 stand „Fusion 360 gratis?“. Das war missverständlich, und das habt ihr mir zu Recht geschrieben. Deshalb habe ich es geändert.

Ich habe bei Autodesk nachgeschaut, was für die private Version gilt (Bedingungen bei Autodesk):

  • Sie ist für nicht-kommerzielle Projekte gedacht, für Einzelpersonen, die weniger als 1.000 US-Dollar im Jahr einnehmen. Nicht für den Hauptberuf und nicht für Firmen.
  • Es gibt Einschränkungen: weniger CAM, eingeschränkte Zeichnungen und Elektronik, nur begrenzte Import- und Exportformate, Support nur übers Forum.
  • Deine Projekte liegen in der Autodesk-Cloud, und du brauchst ein Konto.
  • Du kannst nur zehn Projekte gleichzeitig bearbeiten. Ein Halter hier, ein Adapter da, und schon schiebst du Projekte hin und her.

Bei den Funktionen ist die Antwort ehrlich: Fusion hat deutlich mehr. CAM, Simulation und technische Zeichnungen stehen bei SolidCraft auf der Roadmap unter „zurückgestellt“. Der Unterschied liegt woanders: SolidCraft ist Open Source, braucht kein Konto, und deine Dateien liegen bei dir. Es läuft auf Windows, Mac und Linux. Und weil es oft kam: Onshape ist auch richtig gut, läuft aber in der Cloud und braucht ein Konto. Anderes Modell.

Wenn du mit Fusion Personal zufrieden bist, ist das völlig okay. Dann musst du nicht wechseln.

Browser heißt nicht Cloud

Das kam in den Kommentaren ständig, deshalb rücke ich es hier noch einmal gerade: Einige von euch sind keine Fans von Browsersoftware, oder meinen, eine Browser-App könne einem genauso weggenommen werden wie Fusion. Dazu zwei Dinge.

  1. SolidCraft muss gar nicht im Browser laufen. Es gibt ganz normale Desktop-Apps für Windows, Mac und Linux.
  2. Auch die Browser-Version ist keine Cloud-Software. Der Browser holt sich das Programm einmal, dann läuft es bei dir auf dem Rechner. Deine Designs liegen in einem abgeschotteten Speicher deines Browsers, ebenfalls auf deinem Rechner und nicht auf einem Server.

Ich habe das getestet: Du gehst auf solidcraft.io/app, schaltest danach das Internet ab, WLAN aus, Netzwerkkabel gezogen, und die App läuft trotzdem. Einen Haken gibt es: Wenn du im Browser die Website-Daten löschst, sind die Designs dort auch weg. Wichtiges also über „Download Design“ sichern oder gleich die Desktop-App nehmen. Und weil der Code offen auf GitHub liegt, läuft das, was du hast, auch dann weiter, wenn das Projekt morgen aufhört.

STL importieren und bearbeiten?

Reinholen geht: STL, 3MF und OBJ kommen als eigene Komponente rein. Du kannst sie anzeigen, messen, verschieben und exportieren. Aber eine Rundung setzen oder ein Loch bohren wie bei einem normalen Körper, das geht auf einer STL nicht. Es gibt die Funktion „Convert Mesh“, die funktioniert aber nur bei einfachen, eckigen Teilen. Für richtige STL-Bearbeitung ist SolidCraft aktuell nicht das richtige Werkzeug. Das ist Fusion allerdings tatsächlich auch nicht.

AI klont Software: Grauzone? Und ist das sicher?

Das Thema hat die Gemüter am meisten bewegt. Ob das rechtlich in Ordnung ist, kann ich nicht beurteilen, und dazu behaupte ich auch nichts. Ich kann nur sagen, was das Projekt selbst schreibt: Es ist nicht mit Autodesk verbunden und kopiert laut eigenen Regeln keinen Code, keine Icons und keine Texte anderer Produkte. Wie Autodesk dazu steht, weiß ich nicht.

Eine weitere Frage war, wie eigentlich der Kernel nachgebaut wurde. Die Antwort ist einfach: gar nicht. Das Herzstück, also der Geometriekern, der die Körper berechnet, kommt von einem bestehenden Open-Source-Projekt namens truck der japanischen Firma Ricos. Die AI hat vor allem drumherum gebaut: Bedienung, Zeitleiste, Skizzen, Features. Das erklärt auch, warum das so schnell ging.

Und wer prüft noch akribisch jede Zeile Code? Ehrlich: Bei so vielen Updates pro Tag kann ich mir nicht vorstellen, dass das jemand Zeile für Zeile macht. Das wäre auch völlig verrückt, das tun zu wollen.

Mein Sicherheitscheck von SolidCraft

Weil jemand vorgeschlagen hat, einfach mal eine AI auf den Code anzusetzen, habe ich genau das gemacht und mir das Update von 0.15.0 auf 0.16.2 genauer angeschaut:

  • Alle Downloads passen zu den veröffentlichten Prüfsummen und kommen direkt aus der automatischen Build-Pipeline von GitHub.
  • Die Bibliotheken habe ich gegen die öffentliche Datenbank bekannter Schwachstellen geprüft.
  • Eine AI hat die neuen Codezeilen mit einer Sicherheitscheckliste durchgesehen.

Das Ergebnis: kein Hinweis auf Schadcode, keine Telemetrie. Die App meldet sich von sich aus nur beim Update-Check bei GitHub, und den kannst du abschalten. Zwei Schwachstellen im Design gab es trotzdem, die habe ich dem Projekt vertraulich gemeldet.

Und ganz ehrlich: Das ist ein Plausibilitäts-Check, keine Garantie. Wer wirklich vorsichtig sein will, lädt nur von der offiziellen Seite und schaltet die AI-Funktionen aus. Dafür gibt es in den Einstellungen einen Hauptschalter.

Was ist neu seit Teil 1?

Als ich Teil 1 aufgenommen habe, war Version 0.15.0 aktuell. Seitdem gab es drei stabile Releases, 0.16.0 bis 0.16.2, und zwischen dem ersten und dem dritten lagen gut sechs Stunden. Auf GitHub hatte das Projekt am Sonntagmittag rund 4.700 Sterne, heute (Stand 20.10.2026) sind es knapp 7.900. Die Forks sind von etwa 570 auf über 900 gestiegen.

Für uns Maker interessant:

  • Beim Verrunden und Fasen in einer Skizze gibt es jetzt eine Live-Vorschau.
  • Eine Bohrung folgt ihrem Skizzenpunkt.
  • Beim Extrudieren geht jetzt Verjüngung zusammen mit einem Startversatz.
  • Designs aus 0.16 lassen sich in 0.15 nicht mehr öffnen. Beim Weitergeben also aufpassen.

Ehrlich bleiben muss ich natürlich auch: An Grenzen stoßen einige von euch schon. Ein 45 MB großes Bauteil aus dem Autobereich lässt sich öffnen, ruckelt aber. Für große Baugruppen ist SolidCraft heute noch nicht das richtige Werkzeug. Das Projekt sagt selbst: früh, aber für einfache Teile brauchbar.

Claude direkt im SolidCraft-Chat einrichten

Und jetzt das, was ich persönlich am spannendsten finde: Claude sitzt jetzt direkt im SolidCraft-Chat. In Teil 1 habe ich Claude noch von außen angeschlossen, jetzt hat SolidCraft einen eingebauten AI-Chat. Für Claude Code gibt es einen Adapter, den installierst du mit einem Befehl. Einen API-Key brauchst du nicht, der Login kommt aus Claude Code. Es muss auch nicht Claude sein: Laut Doku gehen auch andere Agenten oder sogar ein lokales Modell. So bin ich vorgegangen:

  1. In SolidCraft oben auf den AI-Button klicken. Wird kein Agent gefunden, zeigt SolidCraft direkt die Zeile an, die du in die Kommandozeile einfügen musst, mit praktischem Copy-Button.
  2. Den Befehl in der Kommandozeile ausführen:
npm install -g @agentclientprotocol/claude-agent-acp

Bekommst du eine Fehlermeldung, weil npm (der Node Package Manager) nicht installiert ist, installierst du Node.js. Unter Windows geht das zum Beispiel per winget, ansonsten gibt es den Download auf nodejs.org. Danach den npm-Befehl noch einmal ausführen und einen Moment warten. Wenn die Installation erfolgreich war, kannst du das Fenster schließen und in SolidCraft auf Refresh klicken.

Jetzt meldet Claude Code, dass du nicht angemeldet bist. Auch kein Problem: In der Kommandozeile gibst du ein:

claude login

Kommt hier die Fehlermeldung, dass der Befehl nicht gefunden wird, fehlt Claude Code selbst noch. Das holst du nach, die Anleitung zur Installation steht bei Anthropic. Wichtig: Wenn die Installation durch ist, muss das Programm noch in den Pfad (PATH) aufgenommen werden, sonst findet die Kommandozeile es nicht, und danach eine neue Kommandozeile starten. Dann funktioniert „claude login“. Der Assistent fragt dich nach dem Kontotyp, bei mir war es „Claude Account with Subscription“. Anschließend öffnet sich der Browser, du meldest dich an, und in der Kommandozeile steht „Login successful“.

Zurück in SolidCraft noch einmal auf Refresh, und Claude Code ist drin. Dort tauchen auch die anderen möglichen AI-Agenten auf. Die Einrichtung steht auch in der Doku zum Agent-Chat.

Claude baut einen Kabelhalter

Zum Testen habe ich ein neues Projekt angelegt und geschrieben: „Baue mir einen Kabelhalter für die Schreibtischkante, 20 mm breit, für Kabel bis 6 mm.“ Claude fängt direkt an zu arbeiten. Nach ein, zwei Minuten stand der Kabelhalter da, und Claude hat mir auch genau erklärt, was er gemacht hat. Ich kann das Modell drehen oder mir von allen Seiten anschauen, und unten in der Historie sehe ich die einzelnen Schritte, die Claude gegangen ist. Wer keine AI will, blendet sie mit dem Hauptschalter in den Einstellungen komplett aus.

Fazit

STEP nimmst du heute schon mit, nur ohne Zeitleiste. F3D öffnet SolidCraft nicht, und der Umzug mit Zeitleiste klappt in meinem Test noch nicht: zwei von 24 Körpern. Fusion Personal ist für Hobby kostenlos, mit Einschränkungen. SolidCraft ist Open Source, läuft auch offline und unter Linux, ist aber noch früh dran. Und bei AI und Sicherheit gilt: neugierig bleiben und vorsichtig bleiben. Beides geht zusammen.

Jetzt bist du dran: Welches Projekt würdest du als Erstes in SolidCraft bauen? Schreib es mir gern in die Kommentare.

Links

SolidCraft ist ein unabhängiges Open-Source-Projekt und nicht mit Autodesk verbunden. Mein Sicherheitscheck ist ein Plausibilitäts-Check, keine Garantie. Alle Zahlen und Aussagen zum Projekt: Stand 20.10.2026. Das Projekt ändert sich fast täglich.

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