3D-Druck News KW41: Bambu punktet beim Patentamt, Z-Hop im Faktencheck

Diese Woche, vom 3. bis zum 9. Oktober, gibt es ein Update zum Patentstreit zwischen Bambu Lab und Stratasys, eine Studie zu Filamenten und Hautzellen, ein Hochtemperatur-Hotend von Prusa und neue Marktzahlen der Branche. Zum Schluss ein Mikroplastik-Filter aus dem Drucker und ein Faktencheck zu Z-Hop, bei dem ich selbst nachgerechnet habe.

🎬 Das Video dazu

⚖️ Bambu Lab vs. Stratasys: Patentamt kippt vier Patente

Zur Erinnerung: Am 18. September hat eine Jury in Texas Stratasys 27,6 Millionen US-Dollar gegen Bambu Lab zugesprochen, für vier Patente, und einen Verkaufsstopp gab es nicht. Jetzt hat das US-Patentamt nachgelegt, genauer dessen Berufungs- und Prüfgremium PTAB. Es hat Ende September und Anfang Oktober Ansprüche aus vier Stratasys-Patenten als „naheliegend“ und damit nicht patentierbar eingestuft. Zwei davon sind die beiden Kraftmess-Patente aus dem Texas-Urteil, auf die rund 2,8 Millionen Dollar der 27,6 Millionen entfallen. Die anderen beiden gehören zum zweiten, noch nicht verhandelten Verfahren: eins zum Auslesen von Infos aus getaggtem Druckmaterial (gemeint ist offenbar die Spulenerkennung, also das, was das AMS per RFID macht), eins zum Erkennen und Nutzen von Druckerkonfigurationsdaten. Dafür gibt es weiterhin keinen Prozesstermin.

Nicht zu früh freuen: Die 2,8 Millionen fallen nicht automatisch weg. Die PTAB-Entscheidungen können ihrerseits angefochten werden, und das Urteil durchläuft noch Anträge nach dem Prozess und eine mögliche Berufung. Der große Brocken bleibt außerdem: Laut Berichten entfallen rund 14,2 Millionen auf das Reinigungsturm-Patent und rund 10,6 Millionen auf ein Patent zur Extrusion und Schichtablage. Beim Reinigungsturm hat Bambu bereits im Juni vor dem Patentamt verloren und ist dagegen in Berufung gegangen. Eine Stellungnahme von Bambu oder Stratasys zu den PTAB-Entscheidungen gibt es bisher nicht. Mein Fazit: ein Etappensieg für Bambu, aber kein Befreiungsschlag, und für Käufer ändert sich weiterhin nichts. Bericht bei All3DP · Einordnung bei Fabbaloo · Law360

🧫 Studie: Manche Filamente beeinträchtigen Hautzellen

Forscher der Medizinischen Fakultät der Karls-Universität in Pilsen haben untersucht, ob Filamente menschliche Hautzellen beeinträchtigen können. Vorab offen gesagt: Die Studie ist schon am 21. Juni in Scientific Reports erschienen, ist aber jetzt erst durch die Fachpresse gegangen. Getestet wurden 16 handelsübliche Filamente aus acht Materialtypen (PLA, PETG, CPE, PC, ABS, ASA, PP und TPU), gedruckt auf einem Prusa MK3S. Die Hautzellen, sogenannte Fibroblasten, wurden 24 Stunden und sieben Tage lang untersucht.

Wichtig: Die Zellen hatten keinen direkten Kontakt zum Kunststoff. Die gedruckten Teile hingen in einer Nährlösung, die Zellen haben nur das abbekommen, was sich daraus gelöst hat. Das ist ein Laborversuch, keine Hautberührung. Am stärksten betroffen war ein einzelnes TPU-Produkt, das Fillamentum Flex A98. Auffällig waren außerdem PETG, PC und PP: Dort vermehrten sich die Zellen zwar, waren aber im Stoffwechsel schwächer. Unauffällig blieben PLA, ASA, CPE und die meisten ABS. Kurios: Ein als „medical grade“ zertifiziertes ABS schnitt schlechter ab als normales ABS.

Die Autoren nennen selbst klare Grenzen: Zellkultur statt echter Haut, indirekter Kontakt, und woran es liegt (Zusätze, Farbstoffe, Weichmacher), bleibt offen. Die Ergebnisse gelten nur für die getesteten Produkte, nicht für ein Material generell. Also keine Panik. Wer Dinge druckt, die lange auf der Haut getragen werden, etwa Uhrenarmbänder, Armbänder oder Griffe, kann kurz darüber nachdenken, welches Filament er nimmt. Und die Studie zeigt, dass nicht der Materialtyp den Unterschied macht, sondern die Rezeptur des Herstellers. Studie in Scientific Reports · Bericht bei Fabbaloo

🔥 Prusa HT-Hotend: 400 °C für die CORE-One-Familie

Ende September hat Prusa ein Hochtemperatur-Hotend für die CORE-One-Familie vorgestellt. Die Angaben habe ich am deutschen Prusa-Shop geprüft: Das HT Hotend Upgrade kostet 199 Euro, ist laut Shop verfügbar, die geschätzte Vorlaufzeit liegt bei etwa drei Wochen. Es passt auf CORE One, CORE One+, CORE One+ (Gen 2), CORE One L und CORE One L+, nicht auf MK4, XL oder MINI. Laut Prusa geht das Hotend bis 400 Grad, ist leicht austauschbar und gedacht für Hochtemperatur-Materialien wie PEKK-CF, PPS-CF und PPSU. Außerdem soll es bei ASA oder PA für bessere Festigkeit und Schichthaftung sorgen.

Wer gleich neu kauft: Der CORE One L+ mit HT-Hotend ab Werk kostet 2.009 Euro, Vorbereitungszeit etwa zwei Wochen. Laut Prusa gehören dazu ein Bauraum von 300 × 300 × 330 Millimetern, ein Heizbett bis 120 °C, eine aktive Kammerheizung bis 60 °C und eine gehärtete ObXidian-Düse mit 0,4 Millimetern. Meine Einordnung: Für die meisten Hobby-Drucke braucht man keine 400 Grad. Interessant ist das für alle, die technische Teile aus faserverstärkten Hochtemperatur-Materialien drucken wollen, und es zeigt, dass Prusa die CORE-One-Plattform gezielt in Richtung Technik-Anwender ausbaut. HT Hotend Upgrade im Prusa-Shop · CORE One L+ mit HT-Hotend

📊 5,2 Millionen Desktop-Drucker, 94 % aus China

Die Beratung AMPOWER hat Marktzahlen für Desktop-3D-Drucker vorgelegt, berichtet hat darüber 3D Printing Industry am 6. Oktober. Demnach wurden 2025 weltweit 5,2 Millionen Desktop-Drucker verkauft, 34 Prozent mehr als die 3,88 Millionen im Jahr 2024. Seit 2020 wächst der Markt im Schnitt um gut 22 Prozent pro Jahr. Verbraucht wurden rund 60.000 Tonnen Filament, fast 43 Prozent mehr als im Vorjahr.

94 Prozent der Desktop-Drucker werden in China gefertigt. Vier der fünf größten Anbieter sitzen im Raum Shenzhen, und die Top 5 zusammen machen 86 Prozent des Absatzes aus. Laut AMPOWER-Partner Timo Führer hat Bambus Markteintritt 2022 den Wettbewerb beschleunigt. Eine Anekdote gab es noch: Ein europäischer Möbel- und Leuchtenhersteller hat AMPOWER erzählt, dass sich bei ihm ein Bambu A1 innerhalb von 24 Stunden bezahlt gemacht habe. Das ist die Aussage eines einzelnen Unternehmens, kein Studienergebnis. Bericht bei 3D Printing Industry

💧 Mikroplastik-Filter aus dem 3D-Drucker

An der University of Waterloo in Kanada haben Ethan Crawford und Tizazu Mekonnen Filter für Mikroplastik per FDM gedruckt. Das Paper ist schon Ende 2025 erschienen, durch Hackaday am 5. Oktober aber wieder bekannt geworden. Der Trick: Das Filament ist PLA mit PEG als Zusatz, das nach dem Druck mit heißem Wasser herausgelöst wird. So entstehen Poren, die FDM allein nicht hinbekommt. Dazu kommt eine klebrige Beschichtung, die Partikel festhält. Mit 20 gestapelten Filtern wurden bis zu 90 Prozent des Mikroplastiks entfernt; bei sehr kleinen Partikeln unter 10 Mikrometern wird es schwieriger, daran arbeiten die Forscher weiter. Laborergebnis, kein Produkt, Wiederverwendbarkeit noch offen. Hackaday · Meldung der University of Waterloo

🔬 Faktencheck: Bestimmt Z-Hop wirklich die Oberfläche?

Fabbaloo hat am 8. Oktober über eine Studie berichtet, nach der Z-Hop der entscheidende Faktor für die Oberflächenqualität ist. Laut Studie erklärt er 90 Prozent der Unterschiede. Das klang nach sehr viel, also habe ich mir das Paper selbst angeschaut. Es kommt von der Universiti Teknikal Malaysia Melaka und ist seit 30. September online. Gedruckt wurden 27 Testwürfel (20 × 20 × 20 mm) aus ABS-M30i, einem Industriematerial von Stratasys, auf einem Folgertech-Drucker. Variiert wurden Z-Hop (0, 1, 2 mm), Rückzugsgeschwindigkeit (20, 40, 60 mm/s) und Rückzugslänge (1, 3, 5 mm), jeweils in drei Stufen, jede Kombination genau einmal. Gemessen wurde die Rauheit Ra.

Ich habe mit den 27 Messwerten aus dem Paper nachgerechnet, also mit den eigenen Daten der Studie, und komme nicht auf die 90 Prozent, sondern auf rund 8. Die Rückzugslänge macht nach denselben Daten rund 30 Prozent aus, die Geschwindigkeit fast nichts. Mit einer zweiten, in solchen Studien üblichen Rechenmethode (Signal-Rausch-Verhältnis nach Taguchi) kommt praktisch dasselbe heraus: Z-Hop rund 10 Prozent, Rückzugslänge rund 29 Prozent. Vielleicht fehlt ein Rechenschritt, den das Paper nicht erklärt. Wenn ihr ihn findet, schreibt ihn gern in die Kommentare. Damit ihr nachrechnen könnt, hier die Mittelwerte der Rauheit:

  • Z-Hop: 0 mm → Ra 3,87 µm · 1 mm → 3,04 µm · 2 mm → 3,53 µm
  • Rückzugslänge: 1 mm → Ra 2,57 µm · 3 mm → 3,77 µm · 5 mm → 4,11 µm
  • Glatteste Probe: 1 mm Z-Hop, 20 mm/s, 1 mm Rückzug → Ra 1,33 µm

Und egal, wie das ausgeht: Das ist eine Mini-Studie mit einem Material, einem Drucker und einem Würfel pro Einstellung. Auf PLA an eurem Drucker lässt sich das so nicht übertragen. Praktisch bleibt für mich hängen: Die glatteste Probe hatte einen Millimeter Z-Hop und einen kurzen Rückzug, und nach den Daten lohnt es sich eher, beim Rückzug anzusetzen. Probiert es selbst aus: ein Würfel, genau einen Parameter ändern, Oberfläche anschauen. Und schreibt mir, was bei euch den Unterschied macht. Bericht bei Fabbaloo · Paper als PDF · DOI

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