Diese Woche wird Vollfarb-3D-Druck zum ersten Mal halbwegs bezahlbar, Kalifornien will Druckern vorschreiben, welche Dateien sie ablehnen müssen – und auf Printables läuft eine Betrugswelle, bei der ihr aufpassen solltet. Dazu Kurioses mit Kurkuma und ein Materialthema, das viele unterschätzen.
🎬 Das Video dazu
🖨️ Flashforge CJ270: Vollfarbdruck für unter 4.000 Dollar
Seit dem 9. September ist die Vorbestellung für den Flashforge CJ270 offen – einen Desktop-Drucker, der mit Material Jetting und UV-Aushärtung arbeitet. Sieben industrielle Inkjet-Druckköpfe tragen sieben Materialien auf: die vier CMYK-Farben, Weiß, Klar und ein wasserlösliches Stützmaterial. Die Schichtdicke liegt bei 7 Mikrometern, laut Hersteller sind damit über zehn Millionen Farbtöne samt fließender Verläufe und Transparenzeffekten möglich.
Der eigentliche Aufreger ist der Preis: 3.999 US-Dollar in der Vorbestellung, rund 3.442 Euro. Regulär soll er 4.499 Dollar kosten, also etwa 3.872 Euro. Zum Vergleich: Bisherige Material-Jetting-Systeme von Stratasys, Mimaki oder HP liegen jenseits von 50.000 Dollar, rund 43.035 Euro. Die ersten hundert Geräte sollen am 15. Oktober per Luftfracht rausgehen.
Zwei Dinge gehören dazu: Das ist eine Vorbestellung, kein ausgeliefertes Produkt – es gibt keinen unabhängigen Test und keine Druckbilder außerhalb der Herstellerkommunikation. Und der Bauraum steht nirgends auf der Produktseite, das ist bei einem Gerät dieser Preisklasse eine erstaunliche Lücke. Wer 3.442 Euro ausgibt, sollte wissen, wie groß die Teile werden dürfen. Zur Produktseite
⚖️ Kalifornien nimmt die Drucker in die Pflicht: AB 2047 ist durch
Die „California Firearm Printing Prevention Act“ hat den kompletten Gesetzgebungsweg hinter sich. Der Senat stimmte den Änderungen am 31. August zu, am 4. September wurde das Gesetz offiziell „enrolled“, also von beiden Kammern verabschiedet. Jetzt liegt es bei Gouverneur Gavin Newsom, der bis Ende September unterschreiben oder sein Veto einlegen muss.
Für Maker ist daran weniger das Thema interessant als das Prinzip: Hier soll erstmals gesetzlich geregelt werden, dass 3D-Drucker bestimmte Dateien erkennen und ablehnen müssen. Das ist ein Präzedenzfall, der weit über Kalifornien hinaus Wirkung entfalten könnte.
Die Fassung wurde allerdings deutlich entschärft. Gestrichen wurden der Straftatbestand für das Umgehen der Blocking-Software, Zivilstrafen von 25.000 Dollar (rund 21.518 Euro) pro Verstoß, die verpflichtende Selbstauskunft der Hersteller und die öffentliche Liste konformer Modelle. Übrig bleibt ein Mechanismus, der erst greift, wenn ASTM International jemals einen funktionierenden Erkennungsstandard entwickelt – und den gibt es bis heute nicht. Die Pflicht ist damit aufgeschoben und ungewiss; sie könnte nie in Kraft treten. Ausnahmen gibt es für Requisiten-Drucker der Filmindustrie. Offizieller Gesetzesstatus
🎣 Phishing-Welle auf Printables – und sie läuft immer noch
Betrüger übernehmen echte Printables-Accounts, vermutlich über wiederverwendete Passwörter, und verschicken darüber private Nachrichten, die sich als „Prusa Support“ ausgeben. Darin wird mit der Sperrung des Kontos gedroht und zur „Verifizierung“ nach Kreditkartendaten gefragt, teils über QR-Codes auf gefälschte Formulare.
Der Trick ist perfide: Die Nachricht läuft technisch über das offizielle Printables-Nachrichtensystem. Die Benachrichtigung ist also völlig echt, nur der Inhalt ist Betrug – und genau deshalb fallen Leute darauf herein. Ehrlich dazugesagt: Das Muster läuft bereits seit Februar 2026, der erste Forumsthread stammt vom 9. Februar. Neu ist die Berichterstattung vom 7. September, die bestätigt, dass die Welle weiterhin aktiv ist.
Die Regel dagegen ist simpel: Gebt niemals Zahlungsdaten über Plattform-Nachrichten heraus. Echte Prusa-Mitarbeiter fragen nie danach. Nutzt für Printables ein eigenes Passwort und schaltet Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys ein – Prusa selbst empfiehlt das inzwischen ausdrücklich. Diskussion im Prusa-Forum
🔬 Kurioses: Benchys aus Kurkuma und ein F1-Pokal aus dem Drucker
Ein Hacker namens „Diffraction Limited“ hat einen Resin-Drucker gebaut, der im Mikrometer-Maßstab arbeitet – ohne die teure Zwei-Photonen-Polymerisation kommerzieller Systeme. Ein 405-Nanometer-Laser läuft durch eine optische Faser mit nur drei Mikrometern Kerndurchmesser, ein Mikromanipulator fährt damit das Muster ab. Das Problem: Das UV-Licht drang zu tief ins Harz und verschmierte die Auflösung. Die Lösung kam aus der Gewürzschublade – Curcumin, der gelbe Farbstoff aus Kurkuma, wirkt als UV-Absorber und begrenzt die Eindringtiefe. Ergebnis: ein 150 Mikrometer langer Benchy und ein Stanford-Bunny, dünner als ein menschliches Haar. Zum Projekt
Und beim Großen Preis von Italien in Monza stand am 6. September ein Pokal auf dem Podium, der komplett aus dem 3D-Drucker kam. „FRAGILE“ wurde vom Künstlerduo vedovamazzei für Pirelli entworfen, aus Nylonpulver per SLS gedruckt und anschließend lackiert, galvanisiert und auf Hochglanz poliert. Das Design imitiert einen wackelig gestapelten Turm aus Küchenschüsseln – als Sinnbild dafür, dass Erfolg fragil ist. Kimi Antonelli gewann sein Heimrennen von Startplatz 19 aus und hob das Ding in die Höhe, während die Motorsport-Community reihenweise fragte, was das eigentlich sein soll. Pirelli-Pressemitteilung
🧪 PETG gegen PCTG: der Unterschied, den kaum jemand kennt
Igor Gaspar von My Tech Fun hat PETG und PCTG desselben Herstellers als transparente Filamente direkt gegeneinander getestet. Beide sind glykolmodifiziertes PET – der Unterschied steckt im Detail: PCTG ersetzt mehr als die Hälfte der Glykol-Monomere durch CHDM, PETG weniger als die Hälfte.
Praktisch heißt das: PCTG ist deutlich zäher und flexibler, schlagfester und hitzebeständiger – verlangt dafür aber höhere Drucktemperaturen, die schon nahe an ASA-Presets liegen. Für Federn, bewegliche Mechanismen und hoch belastete Teile ist PCTG damit eine ernsthafte Alternative zu ASA. Für allgemeine Funktionsteile bleibt PETG die einfachere Wahl. Zum Vergleich
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