3D-Druck News KW32: Kupros‘ leitfähiges Kupferfilament, die Teleskop-Ukulele & Grassmayrs 425 Jahre alte Glockengießerei

KW32 ist ehrlicherweise eine Sommerloch-Woche: kein neues Firmware-Update, kein neuer Drucker. Dafür gibt’s richtig gute Bastelprojekte, spannendes Material und ein Handwerk, das 3D-Druck zum Überleben nutzt. Hier ist der Überblick.

🎬 Das Video dazu

🔌 Kupros Cu29: leitfähiges Kupferfilament fürs FDM

Das Startup Kupros hat mit Cu29 ein metallisches, leitfähiges Kupfer-Filament vorgestellt, das auf ganz normalen FDM-Druckern laufen soll – Geräte unter 300 Dollar reichen laut Hersteller, sogar ein Bambu Lab A1 Mini. Voraussetzung ist nur ein Stahl-Hotend, weil Kupfer ein normales Messing-Hotend ruiniert. Kupfer galt bisher wegen Reflektivität, Wärmeableitung und Oxidation als praktisch undruckbar – Kupros umgeht das offenbar ganz ohne Sintern, Plattieren oder chemisches Nachbearbeiten. Für Maker eröffnet das die Perspektive, Leiterbahnen und eingebettete Elektronik direkt mit dem Desktop-Drucker zu fertigen. Zusätzlich arbeitet das Unternehmen an einer Variante namens „Cu29 Space“, die gegen Zinn-Whiskering beständig sein soll.

Wichtig zur Einordnung: Der Hersteller nennt beeindruckende Werte – bis zu 12.500 Volt Durchschlagfestigkeit, über 600 Ampere Dauerlast und eine Leitfähigkeit, die angeblich 48.000 Prozent über der von Silber-Inkjet-Tinte liegt. Das sind ausschließlich Herstellerangaben, unabhängig geprüft oder bestätigt ist davon bisher nichts.

🔗 Quelle: 3DNatives

🧠 Backflip AI: Scan rein, editierbares CAD raus

Backflip AI hat ein neues Foundation-Model vorgestellt, das aus 3D-Scans, STL-Dateien oder rohen Mesh-Daten ein vollständig editierbares, parametrisches CAD-Modell macht – inklusive komplettem Feature-Baum. Verfügbar als Add-in für Fusion 360 oder als eigenständige Web-App. Das System verkettet CAD-Operationen wie Extrude, Revolve oder Pattern so, wie es ein Ingenieur tun würde, statt nur ein statisches Mesh auszugeben. Es gibt einen Fast Mode für ein Ergebnis in wenigen Minuten und einen Thinking Mode mit mehr Rechenzeit für höhere Maßgenauigkeit.

Der Hersteller gibt an, dass die Kosten für die Digitalisierung eines physischen Bauteils dadurch von rund 1.500 auf etwa 10 Dollar fallen. Gegründet wurde das Startup von den Ex-Markforged-Gründern Greg Mark und David Benhaim, die gerade eine Series A über 30 Millionen Dollar eingesammelt haben.

🔗 Quelle: VoxelMatters

🎸 Die Ukulele, die zur E-Gitarre wird

Musiker Mattias Krantz und Maschinenbau-Ingenieur Adam Damato haben eine 3D-gedruckte Ukulele gebaut, deren Hals sich teleskopartig um rund 25 Zentimeter ausfährt und dabei in eine vollwertige E-Gitarre verwandelt. Eine frühere Klapphals-Version war unter der Saitenspannung kollabiert – die Lösung ist jetzt ein Teleskop-Mechanismus mit Stahlkern, der bis zu 36 Kilogramm Saitenzug aushält.

Damit die Stimmung beim Ausfahren nicht zusammenbricht, mussten die beiden sich Sonderanfertigung-Saiten in doppelter Standardlänge fertigen lassen. Ein Rollensystem nach dem Vorbild einer Angelrolle gibt beim Ausfahren gezielt Spiel frei und zieht die Saite beim Einfahren wieder ein – Ergebnis monatelanger Fehlversuche und Inspiration aus einem obskuren Volksinstrument.

🔗 Quelle: VoxelMatters

🚵 Airless-Reifen fürs Mountainbike

YouTuber Berm Peak hat nach mehreren gescheiterten Anläufen einen funktionierenden luftlosen Mountainbike-Reifen aus TPU gedruckt. Zwischen Lauffläche und Felge sitzt eine nachgiebige, S-förmige Speichenstruktur, die in Segmenten gedruckt und am Felgenring montiert wird – im Offroad-Test hat sich das Ganze überraschend gut geschlagen.

Zur ehrlichen Einordnung: Das bleibt vorerst ein Proof of Concept. Airless-Konzepte kennt man seit Jahrzehnten aus der Automobilbranche, in der Praxis bleibt davon meist wenig übrig. Und im Mountainbike-Bereich ist das Plattfuß-Problem längst über Dichtmilch gelöst. Trotzdem ein schönes Beispiel dafür, was 3D-Druck als Experimentierfeld leisten kann.

🔗 Quelle: Hackaday

🧊 TU Graz: 7 °C kühler mit 3D-gedruckten Keramikwürfeln

Die TU Graz hat in einem Feldtest einen Temperaturabfall von fast 7 Grad Celsius in der Nähe eines wassergefüllten Keramikwürfels gemessen – in einem heißen Dachboden. Die rund 23 Zentimeter großen Würfel bestehen aus einer Keramik-Ton-Mischung, gedruckt mit einer TPMS-Geometrie (Triply Periodic Minimal Surface) und bei niedriger Temperatur gebrannt, wodurch das Material hochporös wird.

Das Prinzip: Wasser wird per Kapillarwirkung aufgenommen, verdunstet über die große innere Oberfläche und entzieht der Luft dabei Wärme – wie bei einem klassischen Tonkrug oder Windturm, nur aus dem 3D-Drucker. Die Forscher testen auch alternative Materialien wie ausgebaggertes Sediment aus dem Neusiedler See und Sägemehl-Pilzkultur-Mischungen. Zwei Demo-Wände stehen bereits am Campus Neue Technik und im Grazer Museum der Wahrnehmung.

🔗 Quelle: VoxelMatters

👟 Schuhe aus dem Drucker, gleich dreimal

Gleich drei Schuhprojekte in einer Woche: Sofia Rousinovich aus Kyiv bietet unter ihrer Marke ROUSSIN eine avantgardistische Schuhkollektion als druckbare STL-Dateien an – Skelett-Sandalen, Schwan-Sandalen, Voronoi-Absätze. Die Schnalle-Sandalen lassen sich flach ohne Supports drucken und brauchen keine Montage, gedruckt auf Bambu Lab mit Kexcelled K8 TPU 75A, verkauft über Patreon und Etsy.

Der UDRB-Sneaker von Daniyar Uderbekov aus Almaty kombiniert eine 3D-gedruckte TPU-Sohle mit einem Leder-Sock-Boot und einem Verschluss aus Kletterseil und Fallschirmstoff – alles ohne einen Tropfen Kleber, jedes Teil trennbar, reparierbar und ersetzbar. Und das deutsche Startup act’ble, gegründet von Sophia Lindner, hat einen modularen Spitzenschuh fürs Ballett entwickelt: Eine segmentierte TPU-Innensohle bleibt im flachen Stand beweglich und verriegelt sich beim Aufrichten auf die Spitze genau dort, wo Halt gebraucht wird – soll fünfmal länger halten als handgefertigte Standardware.

🔗 ROUSSIN-Sandalen · UDRB-Sneaker · act’ble-Spitzenschuh

🔔 425 Jahre Glockengießerei rettet sich mit 3D-Druck

Grassmayr aus Innsbruck, eine Glockengießerei aus dem Jahr 1599, steht unter Druck: Der Bronzepreis ist von 8 auf 23 Euro pro Kilo gestiegen, die Lohnkosten seit 2020 um 30 Prozent, während die Nachfrage sinkt, weil weniger Kirchen gebaut werden. Die Antwort der Brüder Johannes und Peter Grassmayr: 3D-Druck, 3D-Scanning, Lasersysteme und Simulationssoftware quer durch den ganzen Produktionsprozess.

Der größte messbare Effekt: Die Reinigungs- und Polierzeit einer Glocke ist von 30 Prozent auf nur noch 3 Prozent der gesamten Produktionszeit gefallen. Grassmayr gießt tonnenschwere Glocken für ganz Europa und restauriert Glocken aus 12 Ländern. Johannes Grassmayr bringt es auf den Punkt: „Manche Dinge sind noch genau wie vor 400 Jahren. Aber wir haben viel innoviert – besonders in den letzten 20 Jahren.“

🔗 Quelle: VoxelMatters

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