3D-Druck News KW35: Bambus UV-Drucker-Pläne, Anycubics Farb-Patent & neun Meter lange Dinosaurier aus dem 3D-Drucker

Diese Woche zeigen gleich zwei große Hersteller, wohin die Reise geht, ohne dass du heute etwas davon kaufen kannst: Bambu Lab arbeitet an einem UV-Drucker, Anycubic hat sich Vollfarb-Resin patentieren lassen. Dazu Vierfarb-Druck für 299 Dollar von Creality plus ein neuer automatischer Düsenwechsler, ein elektrischer Filament-Umspuler und jede Menge Praxis-Wissen rund um Resin – und zum Schluss neun Meter lange Dinosaurier aus 14 Bambu-Druckern.

🎬 Das Video dazu

🖨️ Bambu Lab bestätigt: Ein UV-Drucker ist in Arbeit

Gegenüber All3DP hat Bambu Lab bestätigt, dass ein UV-Drucker in Entwicklung ist – ein Gerät, das UV-härtende Tinte direkt auf Objekte wie Flaschen oder Gehäuse druckt. Produktname, Preis und Termin: Fehlanzeige. Der eigentliche Beleg kommt aus den Stellenanzeigen: Zwischen dem 3. und 19. August hat Bambu neun bis zehn Positionen wie UV Printing Technical Expert, Color Management Engineer und Slicing Algorithm Engineer ausgeschrieben, überwiegend in Shenzhen. Chinesische Medien griffen das am 20. August auf.

Zur Einordnung: Kategorie-Pionier ist der eufyMake E1 (Kickstarter April 2025, ab 2.109 USD bzw. rund 1.810 Euro) – steigt Bambu jetzt ein, kommt das gut 15 Monate später. Weil eufyMake bei mir aktiver Kooperationspartner ist, sage ich das offen: Ein Bambu-Einstieg würde Preisdruck auf genau die Firma bedeuten, die mir Geräte zur Verfügung stellt. Nur als vages Gerücht, gestützt auf eine einzige unbestätigte chinesische Quelle (Huxiu): Bambu soll parallel auch an Vollfarb-3D-Druck per UV-Inkjet forschen.

🔗 Quelle: All3DP

🎨 Anycubic lässt sich Vollfarb-Resin patentieren

Passend dazu Teil zwei der Top-Story: Anycubic hat sich unter der Nummer CN122539644A ein Verfahren für Vollfarb-Resin patentieren lassen (Anmelder Shenzhen Anycubic, Erfinder Wei Huazhong). Vor jeder Schicht legt eine Beschichtungseinheit mit einzeln ansteuerbaren Düsen eine Farbschicht auf die Folie – CMYK plus Weiß, mischbar –, darüber kommt klares Harz, dann wird gemeinsam belichtet.

Klingt nach einem fertigen Produkt, ist aber keins: Die Ursprungsanmeldung stammt vom 30. Oktober 2023, erstveröffentlicht im Juni 2024, und die aktuell kursierende Nummer CN122539644A ist die Veröffentlichung von August 2026 – nach aktuellem Stand der Patentdatenbank die parallele Teilanmeldung des Ursprungspatents. Über zwei Jahre kein Prototyp, keine Ankündigung. Fabbaloo weist (20.08.2026) zudem zurecht darauf hin, dass der Druckzyklus pro Schicht deutlich komplexer wird und das die gerade gewonnene Geschwindigkeit kostet. Also: Anycubic hat sich ein Verfahren patentieren lassen – nicht „bringt bald einen Farbharzdrucker“. Anycubic ist bei mir Affiliate-Partner, deshalb bleibe ich hier besonders sachlich.

🔗 Quelle: Espacenet Patentregister

🌈 Creality von zwei Seiten: 257-Euro-Vierfarbe und der Düsenwechsler

Creality greift das Multicolor-Problem diese Woche gleich von zwei Seiten an – einmal über den Preis, einmal über die Technik. Kurzes Geständnis vorweg zu Teil eins: Die Meldung ist schon gut eine Woche alt und ist mir letzte Woche glatt durchgerutscht – hier kommt sie nachgereicht. Der SPARKX i7 Nano bringt Vierfarb-Druck für 299 USD (rund 257 Euro). Spannender als der Drucker selbst ist das neue CFS-nano-Kit: eine Zwei-Motor-Wechseleinheit ohne externe Box, die laut Hersteller sogar auf bestehende i7-Geräte nachrüstbar sein soll. Dazu Bauraum 260 × 260 × 255 mm, bis zu 500 mm/s, KI-Kamera und ein CubeMe-Feature.

Das ist der direkte Preis- und Feature-Vergleichspunkt zu multiACE und AFC am Snapmaker U1 – anderer Ansatz (kompakte Wechseleinheit statt vier vollwertiger Toolheads), ähnliches Ziel. Und wie immer bei Herstellerangaben: 500 mm/s ist ein Laborwert, keine Zahl für den Alltag.

Teil zwei ist technisch der spannendere, auch wenn’s noch kein Kaufprodukt ist: Für den K3 hat Creality ein automatisches Düsenwechselsystem namens KliTek gezeigt, das dem klassischen AMS-Purge-Prinzip Konkurrenz macht. Düsenwechsel in unter 5 Sekunden, ein kompletter Farb- oder Materialwechsel in unter 15 Sekunden, 37 Sensoren an Bord, Positioniergenauigkeit von 25 Mikrometern oder besser. Verarbeiten soll das System alles von TPU mit 80A bis zu starren Polymeren, laut Creality bei bis zu 80 Prozent weniger Filamentverschwendung als beim klassischen AMS-Purge. Launch ist für Q3 2026 angekündigt, einen Preis nennt Creality noch nicht.

Und hier muss ich ehrlich bremsen: Das ist kein Formnext-Reveal. Die Technik wurde schon Ende Mai 2026 angekündigt, auf der Formnext Asia in Shenzhen (26.–28.08.2026) gab es diese Woche nur die erste öffentliche Live-Demo. Die Berichterstattung hängt im Wesentlichen an einer einzigen Fachquelle (3D Printing Journal, 27.08.2026), auch wenn Crealitys eigene Kampagnenseite die Specs bestätigt. Deshalb ordne ich das heute nur als Ausblick ein, nicht als fertiges Feature – ich behalte es im Auge, bis es einen Preis und unabhängige Tests gibt.

Am Ende zielen beide Geräte aufs selbe Problem: der Materialverlust beim Farbwechsel. Der i7 Nano löst es über den Preis, der K3 über die Mechanik.

🔗 Quelle: PRNewswire · 3D Printing Journal

🔄 Mintion W1: elektrischer Filament-Umspuler

Für alle mit AMS-, ACE- oder Spoolman-Setup: Mintion bringt mit dem W1 einen elektrischen Filament-Umspuler, der Bulk-Spulen bis 3 kg auf wiederverwendbare AMS-Spulen umspult – im Turbo-Modus eine volle 1-kg-Spule in unter vier Minuten. Die erste Serie läuft bereits im Spritzguss statt 3D-gedruckt, das spricht für echte Stückzahlen.

Vorbestellung 89,99 USD (rund 77 Euro), regulär 119,99 USD (rund 103 Euro), Versand Mitte bis Ende September angekündigt. Löst ein echtes Community-Problem, das bisher nur per DIY-Lösung angegangen wurde – behalte ich im Auge.

🔗 Quelle: VoxelMatters

💥 Anatomie einer Resin-Katastrophe

Maya Posch (Hackaday) seziert eine Fehldruck-Serie an einem CD-Ständer-Modell: Beim Peel-Vorgang waren die Schälkräfte größer als die Support-Kontaktfläche – das Teil ist schlicht abgerissen. Ein Klassiker, den ich in den Kommentaren ständig sehe: An Belichtungszeit und Winkel wird gedreht, während die Supports viel zu knapp dimensioniert bleiben.

Dazu liefert der Artikel eine Cleanup-Anleitung zum Merken: Harz vor der Wiederverwendung filtern, gründliche IPA-Reinigung, UV-Nachhärtung nicht auslassen, Silikonunterlage als Pflicht statt Option.

🔗 Quelle: Hackaday

🦖 Neun-Meter-Dinos aus 14 Bambu-Druckern

Künstler Jay Jay Burridge (Studio Future Fossils) hat fünf Megalosaurus-Skulpturen gebaut – jede neun Meter lang. Komplett gedruckt, und zwar nicht auf einer Industrieanlage, sondern auf 14 ganz normalen Bambu-Lab-Desktop-Druckern. Sieben Wochen Druckzeit, Material ABS-GF.

Die Skulpturen stehen in der Open-Air-Ausstellung „Dinosaurs Are Forever“ auf Blenheim Palace (bis 1. November, wissenschaftlich begleitet). Der eigentliche Punkt dahinter: Fleet-Printing mit Geräten, die viele von euch selbst zu Hause stehen haben – die Größe kommt aus der Anzahl und der Planung, nicht vom einzelnen Drucker.

🔗 Quelle: 3DPrint.com

🎲 Sammelblock: Draisine und Tastsinn für Roboter

Sam Barker und Tom haben eine komplett 3D-gedruckte Miniatur-Draisine (Railway Pump Car) mit funktionierendem Wippmechanismus gebaut – kompakt genug fürs Handgepäck zum Open-Sauce-Event in den USA. Die Dateien gibt’s auf Printables.

Spannender fürs große Bild: 3D-gedruckte Haut gibt Robotern einen Tastsinn. Forscher um Haofeng Chen haben eine flexible, 3D-gedruckte TPU-Schicht mit Elektroden kombiniert und nutzen elektrische Impedanztomografie, um Berührungen zu erkennen – ein funktionierender Prototyp mit 16 Elektroden. Statt teurer Einzelsensoren ist hier die Schicht selbst der Sensor.

🔗 Draisine · Roboterhaut

Links in diesem Beitrag können Affiliate-Links sein. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten.

Du brauchst selbst was gedruckt? Ob Einzelstück, Prototyp oder Kleinserie — schreib mir einfach.