3D-Druck News KW31: Nozzlegate-Verschleißzahlen, Sovols Open-Source-IDEX & der8auers 110-cm-Kamin

KW31 bringt sechs Storys – vom nächsten Kapitel in Nozzlegate mit echten Zahlen, bis zu einem 3D-gedruckten Kamin, der eine CPU passiv um 19 Grad kühlt. Hier ist der Überblick.

🎬 Das Video dazu

🔧 Nozzlegate: Bondtech gesteht, Prusa verschiebt Auslieferung und liefert erste Verschleißzahlen

Prusa hat am 31. Juli alle INDX-Besteller angeschrieben: Die Auslieferung verschiebt sich von Ende Juli auf Mitte August – ausdrücklich als „Ergebnis eines aktuellen Updates von Bondtech“. Wichtiger sind die ersten wirklich unabhängigen Verschleißdaten zu den Düsen überhaupt: Nach 5 Kilo PETG-CF zeigten sie noch gute Druckqualität, aber schon nach 100 Gramm des stark abrasiven Ultraglow-Filaments war die Schutzschicht durch, danach fiel die Leistung rapide ab.

Zur Erinnerung: Bondtech hatte die INDX-Düsen als „hardened“ verkauft, tatsächlich sind es nitrocarburierte Düsen mit 30–32 HRC statt der beworbenen 55–60 HRC. Am 23. Juli hat Gustav Bondéus, Head of Manufacturing bei Bondtech, das intern eingeräumt: „We sold a nozzle that was not what we promised.“ Prusa reagiert jetzt als Erster mit einer echten Geste – zusätzliche Hardware auf eigene Kosten plus 60 Tage Rückgaberecht. Bondtech selbst hat bis heute weder Rückruf noch Austauschprogramm noch eine Entschädigungssumme genannt, und unabhängige Härtemessungen gibt es bis heute keine – alle kursierenden HRC-Zahlen stammen von Bondtech selbst.

🔗 Prusa-Update (Reddit r/prusa3d) · Bondtech-Blogupdate · nozzlegate.com

🛠️ Sovol M1D: Open-Source-IDEX mit integriertem Werkzeugwechsler

Sovol hat mit dem M1D nach eigenen Angaben den ersten Open-Source-Drucker vorgestellt, der echtes IDEX – zwei komplett unabhängige Düsen – mit einem eingebauten Werkzeugwechsler kombiniert. Düse eins sitzt fest, Düse zwei wechselt zwischen sechs weiteren Köpfen in rund fünf Sekunden, die Standby-Köpfe bleiben vorgeheizt. Dazu 300×300×350 mm Bauraum, bis 600 mm/s pro Düse und als Slicer OrcaSlicer statt proprietärer Software.

Die offene Essential-Version startet bei 1.299 US-Dollar Early Bird, die Advanced-Variante mit beheizter Kammer bei 1.599 Dollar. Die Kickstarter-Kampagne steht bei über 2,8 Millionen Dollar – bei einem Ziel von gerade mal 191.254 Dollar. Auslieferung soll ab November starten. Ob die Mechanik aus sieben Köpfen im Alltag so zuverlässig läuft wie versprochen, zeigt sich erst, wenn die ersten Geräte tatsächlich verschickt sind.

🔗 Quelle: Tom’s Hardware

📂 Snapmaker U1: Firmware-Quellcode V1.5.2 – und ein stiller Build-Tausch

Snapmaker hat am 30. Juli den Quellcode der U1-Firmware V1.5.2 veröffentlicht, in den Repos u1-klipper und u1-moonraker. Drin: drei Fixes, unter anderem eine zu stark gequetschte erste Schicht bei deaktiviertem Heated Bed Leveling und Düsenheizungen, die nach dem Laden oder Entladen von Filament nicht runterfuhren.

Der interessantere Teil kommt aus der Community: Das Projekt paxx12 hat entdeckt, dass Snapmaker V1.5.2 unter derselben Versionsnummer still neu veröffentlicht hat – Build 1.5.2.13 vom 22. Juli hat den ursprünglichen Build 1.5.2.12 vom 15. Juli ersetzt, Changelog unverändert, nur Hash und Dateiname anders. Der Quellcode kam also erst jetzt raus, der Build war schon länger im Umlauf. Die Fixes sind gut und überfällig – die Kommunikation drumherum könnte transparenter sein.

🔗 Quelle: GitHub

📦 Spoolman 0.26.0: Oberfläche komplett neu gebaut

Das Open-Source-Filament-Inventarsystem Spoolman ist in Version 0.26.0 erschienen – mit einem komplett neu geschriebenen Web-Client als neuem Standard. Neu ist eine „Library“-Ansicht, die Hersteller-, Filament- und Spulenseiten zusammenführt, ein einheitlicher Anlege-Flow für Spule, Filament und Hersteller in einem Rutsch, ein Editor für eigene Etiketten-Designs und eine Freitextsuche mit Farbähnlichkeits-Treffern – dazu volle Mobiltauglichkeit.

Wer den alten React-Client lieber behält, kann das über SPOOLMAN_LEGACY_CLIENT=TRUE weiter tun, beide sprechen dieselbe API. Zusätzlich wurde das Backend gehärtet: Cross-Origin-Writes werden abgelehnt, der CSV-Export ist gegen Formel-Injection abgesichert.

🔗 Quelle: GitHub

🔥 der8auer kühlt seinen Ryzen mit einem 110-cm-Kamin aus dem Drucker

Roman „der8auer“ Hartung hat den Kamineffekt an einem wassergekühlten PC mit Ryzen 7 9800X3D durchgemessen – komplett mit 3D-gedruckten Kaminsegmenten auf dem Radiator, ganz ohne Lüfter. Die ersten 10 Zentimeter brachten 0,5 Grad, weitere 30 Zentimeter nochmal 5 Grad. Der finale Aufbau, vier Segmente à 20 Zentimeter plus Basis, macht 110 Zentimeter Höhe – und zieht die Wassertemperatur von 61 auf 50 Grad, die CPU-Temperatur von 90 auf 71 Grad. Nur durch aufsteigende warme Luft, komplett passiv.

Sein eigenes Fazit: physikalisch beeindruckend, praktisch ziemlich albern. Genau deswegen sind solche Projekte schön – niemand braucht einen 110-Zentimeter-Kamin auf dem Schreibtisch, aber zu sehen, dass es funktioniert, macht trotzdem Spaß.

🔗 Quelle: Tom’s Hardware · Hackaday

📊 Bambu Lab verdient mehr als die gesamte industrielle Polymer-Elite zusammen

VoxelMatters hat Kernaussagen aus seinem „Polymer AM Market 2026″-Report veröffentlicht: Der gesamte Markt lag 2025 bei 9,45 Milliarden Dollar (+18,7 %), allein die Hardware bei 4,36 Milliarden (+20,9 %). Die eigentliche Schlagzeile: Bambu Lab macht inzwischen mehr Jahresumsatz als alle führenden industriellen Polymer-AM-Firmen zusammen. Als einziger westlicher Desktop-Filament-Hersteller, der dagegenhalten kann, gilt laut Report Prusa – Elegoo wird als „abgerutscht ins Ultra-Budget-Segment“ beschrieben.

Gleichzeitig verlässt eine ganze Reihe etablierter Namen den Markt: BigRep steht in der Liquidation, Nano Dimension hat seine AM-Sparte verkauft, dazu ziehen sich Arburg, BASF und Braskem zurück. Die Kräfteverhältnisse verschieben sich sichtbar weg von den großen, langsamen Industrienamen hin zu den schnellen Desktop-Playern.

🔗 Quelle: VoxelMatters

⚙️ Kurz notiert: FilaSim von CNC Kitchen

Stefan Hermann von CNC Kitchen hat mit FilaSim ein neues Browser-Tool veröffentlicht, das per Simulation bestimmt, wo im Bauteil tatsächlich Infill nötig ist – dicht bei Spannung, dünn wo nicht. Läuft komplett lokal, kostenlos, Export als 3MF direkt für OrcaSlicer. Hermann selbst nennt es ausdrücklich eine Tech-Demo, keine fertige Lösung – ein eigenes Testvideo dazu folgt.

Links in diesem Beitrag können Affiliate-Links sein. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten.

Du brauchst selbst was gedruckt? Ob Einzelstück, Prototyp oder Kleinserie — schreib mir einfach.