KW30 hat’s in sich: Ein handfester Härte-Skandal bei Bondtech, ein Vollfarb-UV-3D-Kickstarter, Metalldruck für den Schreibtisch – und zum Schluss rettet ausgerechnet Kurkuma den Keramikdruck. Hier sind die sieben Storys der Woche.
🎬 Das Video dazu
⚠️ Bondtech INDX “Hardened”-Skandal
Bondtech hat die Düsen seines neuen Multi-Material-Systems INDX als “hardened” beworben – mit dem Versprechen “zero fear of wear” selbst bei Carbon- und glasfaserverstärkten Filamenten (CF/GF). Tatsächlich sind die Düsen nur nitrocarburiert, eine Oberflächenbehandlung, kein durchgehärteter Stahl. Laut Bondtechs eigenem Support sind sie damit nicht für Dauerbetrieb mit abrasiven Filamenten gedacht – also genau das, wofür sie beworben wurden.
Das Wort “hardened” ist inzwischen still von der Produktseite verschwunden, ohne Korrektur oder Erklärung. Als die Community das mit Screenshots belegte, kam von Bondtech sinngemäß: “Wir haben nie gesagt, dass die gehärtet sind.” Seit dem 17. Juli kocht r/prusa3d deswegen, auch Prusa hat sich gemeldet. Wer INDX-Düsen für CF/GF nutzt: Verschleiß beobachten, nicht auf Hartmetall-Lebensdauer verlassen.
🎨 HeyGears G1/G1X: Vollfarb-3D + UV-Druck auf Kickstarter
HeyGears ist am 23. Juli mit der G1-Serie auf Kickstarter gestartet – direkte Fortsetzung des Trends aus der letzten Woche, dass UV-Druck und 3D-Druck zu einer Gerätekategorie verschmelzen. Die G1-Serie kombiniert Vollfarb-3D-Druck, 3D-Textur-UV-Druck und normalen 2D-UV-Druck in einem modularen Desktop-System.
- G1X: 8-Kanal-UV-Tintensystem, über 10 Mio. Farben, Texturen bis 5 mm Höhe
- Software HeyVerse/Blueprint Studio inkl. Text-zu-3D-Generierung
- Super-Early-Bird ab 1.999 USD (rund 1.850 €), Zielpreis unter 5.000 USD (rund 4.600 €)
- Versand ab 2026 geplant – Hersteller warnt selbst vor Abweichungen von Pre-Production-Renderings
Ich drucke selbst UV, mit dem eufyMake E1, deswegen beobachte ich das mit besonderem Interesse. Aber: Kickstarter bleibt Kickstarter – keine Kaufempfehlung, erst wenn Geräte wirklich verschickt und getestet sind.
🔗 Quelle: 3DPrint.com · 3DNatives · All3DP
🎥 MakerWorld kündigt Video-Upload für 3D-Modelle an
MakerWorld, die Plattform von Bambu Lab, bereitet ein Video-Upload-Feature für Modellseiten vor. Am 20. Juli wurden schon die Guidelines veröffentlicht, bevor das Feature live ist: Videos müssen sich eng am Modell orientieren (Design, Herstellung, Präsentation, kreativer Hintergrund), gezeigte Arbeitsschritte müssen Sicherheitsstandards genügen. Ein Startdatum gibt’s noch nicht.
Für alle, die Modelle auf MakerWorld hochladen, ist das eine kleine, feine Chance: eigenes YouTube-Material – Druckprozess, Zeitraffer, fertiges Teil – direkt am Modell verlinken, für mehr Reichweite bei den Uploads.
🔗 Quelle: 3druck.com · MakerWorld
🌴 Hembased: heimkompostierbares Filament aus Palmblättern
Das niederländische Unternehmen Hembased hat ein Filament aus Palmblatt-Agrarabfällen vorgestellt, das heimkompostierbar ist – bei ganz normalen 20 bis 30 °C, kein Industriekompost nötig. Es zersetzt sich laut Hersteller innerhalb von rund einem Jahr. Preislich liegt es bei ca. 32 €/kg.
Ehrlich eingeordnet: Hembased ist bei weitem nicht der erste Anbieter – ColorFabb, Phanbulous, Ecogenesis, Regen und Loopha haben ähnliche Bio-Filamente im Programm. 32 €/kg ist Premium-Preis, belastbare mechanische Daten sind noch nicht öffentlich. Spannend fürs Testlabor, aber noch kein Selbstläufer.
⚙️ Kare S1: Metall und Kunststoff auf dem Desktop (Kickstarter)
Das Istanbuler Startup Kare 3D ist am 22. Juli mit dem Kare S1 auf Kickstarter gestartet – dem Traum vieler Maker: Metall und Kunststoff vom selben Desktop-Drucker.
- Hotend bis 550 °C, Bett bis 150 °C, bis 500 mm/s
- Bauraum 200×200×200 mm (S1 Plus: 200×200×480 mm), 4,3″-Touchscreen
- Top-Pledge ~9.200 € inkl. komplettem “Printing Kit” mit Sinterofen und Wascheinheit
- Funding-Ziel £52.275 (rund 61.000 €, Alles-oder-Nichts) – bisher nur £16.082 (~18.800 €) von 6 Unterstützern, Deadline 27.08.2026
Meine ehrliche Einordnung: Die eigentliche Hürde bei diesem Verfahren ist nicht das Drucken, sondern Debinding und Sintern danach – aufwendig und fehleranfällig. Bei sechs Backern und noch weitem Weg zum Funding-Ziel würde ich klar zur Vorsicht raten. Spannend zu beobachten, keine Kaufempfehlung.
🔗 Quelle: 3D Printing Industry
🤖 KI erkennt die “Persönlichkeit” einzelner 3D-Drucker
Forscher vom IMDEA Materials Institute und dem Lawrence Berkeley National Laboratory haben einen Algorithmus entwickelt, der feine Leistungsunterschiede zwischen baugleichen 3D-Druckern erkennt und pro Maschine die passende Optimierungsstrategie auswählt – statt alle Drucker gleich zu behandeln. Im Test mit drei identischen Druckern erkannte die KI signifikante Abweichungen; individuelle Optimierung führte zu besserer Konvergenz und weniger Fehldrucken. Übertragbar auch auf Materialforschung, Chemie und Sensorkalibrierung.
Ich hab selbst zwei baugleiche Snapmaker U1 stehen, die sich trotz identischer Fabrikware spürbar unterschiedlich verhalten. Bisher dachte ich, das ist Bauchgefühl – jetzt sagt die Wissenschaft: messbar, real, und algorithmisch ausgleichbar.
🍛 Kurkuma rettet den Keramik-3D-Druck
Forscher der Hunan University haben herausgefunden, dass Curcumin – der gelbe Farbstoff aus Kurkuma, direkt aus dem Curry-Gewürz – den keramischen 3D-Druck verbessert. Schon 0,01 Massenprozent im Harz kontrollieren das Streulicht bei der Stereolithografie besser als klassische synthetische Absorber: Feine 50-Mikrometer-Bohrungen bleiben offen statt zuzulaufen, Druckpräzision liegt bei 26,1 µm. Beim Sintern verbrennt das Curcumin rückstandslos – für maximale Dichte. Einsatzgebiete: Zahnimplantate, Luft- und Raumfahrt, Elektronik.
Das Zeug aus dem Curry schlägt Hightech-Absorber aus dem Labor. Chemie ist manchmal einfach schön.
Links in diesem Beitrag können Affiliate-Links sein. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten.
Leave a Reply