3D-Druck News KW40: Stratasys gewinnt gegen Bambu Lab, Bambu bringt den R1

Diese Ausgabe deckt ausnahmsweise zwei Wochen ab, vom 19. September bis zum 2. Oktober – letzte Woche gab’s keine News-Folge, ich war auf dem PRINTED Hub in Rüdesheim unterwegs. Dafür gibt’s heute mehr Stoff: ein Gerichtsurteil, ein neuer Laserschneider, ein Profi-Scanner, ein Dashboard im Kickstarter-Höhenflug und zwei Marken, die plötzlich selbst Druckdateien rausgeben.

🎬 Das Video dazu

⚖️ Stratasys gewinnt Patentklage gegen Bambu Lab

Am 18. September hat eine Jury an einem US-Bundesgericht in Texas (Eastern District of Texas, Richter Rodney Gilstrap) entschieden: Stratasys gewinnt den ersten von zwei Patentprozessen gegen Bambu Lab. Zugesprochen wurden 27,6 Millionen US-Dollar Schadenersatz – umgerechnet grob 24 Millionen Euro – für bereits entstandene Schäden. Die Jury stellte bei allen vier Patenten vorsätzliche Verletzung fest, wodurch der Richter die Summe noch bis auf das Dreifache erhöhen könnte – entschieden ist das aber noch nicht.

Die vier Patente betreffen den Purge-Tower, eine Methode der Schichtablage beim Extrudieren und zwei Patente zur Kraftmessung. Nicht Teil des Urteils ist das Patent zum beheizten Druckbett, das wurde separat vom US-Patentamt für ungültig erklärt. Betroffen ist unter anderem der X1 Carbon – einen Verkaufsstopp oder eine Unterlassungsverfügung gibt es nicht, für Käufer ändert sich aktuell nichts. Der zweite Prozess, zu rund sechs der ursprünglich zehn Patente, hat noch keinen Termin. Bambu Lab respektiert das Verfahren, ist mit dem Urteil nicht einverstanden und will in Berufung gehen. Mehr bei VoxelMatters · Einordnung bei Fabbaloo

✂️ Bambu Lab R1: der erste eigenständige Laserschneider von Bambu

Unabhängig vom Gerichtssaal hat Bambu Lab mit dem R1 den ersten eigenständigen Laserschneider der Marke vorgestellt – der H2D hatte bereits ein Lasermodul, das hier ist ein komplett neues, separates Gerät. Am deutschen Bambu-Shop kostet der R1 2.499 Euro, aktuell nur zur Vorbestellung, Versand laut Shop ca. 20. November. Drin steckt ein 55-Watt-CO₂-Laser, der laut Bambu Holz, transparentes Acryl, Leder und ähnliche Materialien schneidet und graviert, in einem Durchgang bis zu 20 Millimeter dick. Der Arbeitsbereich liegt bei 600 × 300 Millimetern, mit optionalem Förderband sind bis zu drei Meter lange Werkstücke möglich.

Eine automatische Laserausrichtung soll den Strahlengang in etwa einer Minute kalibrieren, ganz ohne Thermopapier oder Testschüsse. Dazu kommt das System TriSense aus Kameras, Laser und XY-Encodern, das laut Bambu eine Positioniergenauigkeit innerhalb von 0,2 Millimetern erreicht, graviert wird mit bis zu 1.000 Millimetern pro Sekunde. Im geschlossenen Betrieb gilt der R1 als Laserklasse 1, mit Stopp bei geöffnetem Deckel, Flammenerkennung und Not-Aus. Damit steigt Bambu in einen Markt ein, in dem bisher Hersteller wie xTool den Ton angeben – ich hab selbst gerade einen xTool M2 im Test, Spec-Vergleiche mache ich aber keine, dazu müsste ich den R1 schon selbst in der Hand gehabt haben. Zum Produkt · Zur Ankündigung

🔍 Creality Sermoon P1S: Profi-Scanner ohne Rechner

Creality hat mit dem Sermoon P1S einen neuen Profi-3D-Scanner gelauncht – eine reine Produktmeldung, ich hab das Gerät nicht getestet und bewerte die Scanqualität deshalb nicht. Zum Start, vom 22. September bis zum 12. Oktober, kostet der P1S 2.199 Euro statt 2.399, wer in diesem Zeitraum zuschlägt, bekommt laut Creality ein 400-Milliliter-Scanspray gratis dazu – charmant, weil Creality gleichzeitig damit wirbt, dass der Scanner auch schwarze und metallische Oberflächen ohne Spray erfassen soll. Versendet wird unter anderem nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Zum Vergleich: Der große Bruder Sermoon P1 kostet ab 3.499 Euro.

Laut Creality ist der P1S ein Standalone-Scanner mit eingebautem Rechner, läuft also auch ohne angeschlossenen PC. Zum Einsatz kommen 42 blaue Laserlinien (34 gekreuzt, 7 parallel und eine einzelne) ergänzt um Nahinfrarot-Structured-Light, die volumetrische Genauigkeit gibt Creality mit 0,02 Millimeter plus 0,08 Millimeter pro Meter an, bei drei Arbeitsmodi mit 60, 80 oder 100 Bildern pro Sekunde. Dazu gibt’s Wechselakkus sowie Farb- und Texturerfassung. Zum Produkt · Bericht bei GIGA

📊 Watchtower3D: Farm-Dashboard ohne Cloud sprengt den Kickstarter

Kurzer Pflichthinweis vorweg: Crowdfunding ist kein fertiges Produkt im Regal, Lieferung und Funktionsumfang sind erstmal Versprechen. Watchtower3D ist ein neues Dashboard zur Verwaltung von Druckerfarmen, komplett lokal und ohne Cloud-Zwang. Die Kickstarter-Kampagne startete am 1. Oktober um 16 Uhr deutscher Zeit mit einem Ziel von 10.000 kanadischen Dollar – erreicht in den ersten Minuten. Stand Freitagabend, 2. Oktober, standen rund 125.000 kanadische Dollar und über 600 Unterstützer auf dem Zähler, bei noch 28 Tagen Laufzeit – mehr als das Zwölffache des ursprünglichen Ziels.

Bis auf eine einmalige Lizenzprüfung läuft die Software komplett ohne Telemetrie an eigene Server. Unterstützt werden laut FAQ Bambu-, Klipper-, OctoPrint- und PrusaLink-Drucker, Elegoo und Anycubic sind in Arbeit. Sie läuft auf macOS, Windows, Linux und dem Raspberry Pi 4 oder 5, statt Abo gibt’s einen einmaligen Kaufpreis. Der Einstieg, die Stufe „Hobby“ für bis zu fünf Drucker, kostet 111 kanadische Dollar – umgerechnet (Stand Freitag, 2. Oktober) etwa 69 Euro. Geliefert werden soll laut Kampagne ab Dezember, eine Early-Bird-Stufe schon im November. Zur Kickstarter-Kampagne · watchtower3d.com

🏷️ Marken drucken mit: Škoda und Factorio

Zwei Beispiele innerhalb weniger Tage zeigen denselben Trend: große Marken, die offizielle 3D-Druckdateien kostenlos rausgeben. Škoda hat Ende September auf Printables die Kollektion „Individual 3D-Printable Accessories“ veröffentlicht – zehn Dateien für Epiq, Peaq und Fabia IV, von der Jumbo-Box über Becherhalter-Einsätze bis zur Handyhalterung, ausdrücklich nur für den privaten Gebrauch. Škoda war schon im Februar 2024 der erste Autohersteller auf Printables, seit Januar gibt’s bei Prusament sogar zwei Škoda-Farben als Filament. Mehr bei VoxelMatters

Zweitens Factorio: Am 24. und 25. September haben Prusa und Entwickler Wube eine Sammlung von 65 Modellen aus dem Spiel veröffentlicht, verteilt auf 15 Sets mit insgesamt 247 STL-Dateien – Förderbänder, Truhen, Öfen und auch Gegner wie Biter und Spitter, jedes Modell in einer präzisen Steck- und einer lockereren Klebevariante. Modelliert hat das Wube-Artist Jarosław Kolmaga, entstanden bei einem Playtest-Event in Prag im Sommer 2024, kostenlos auf Printables. Zur Ankündigung bei Prusa · Factorio Friday Facts #447

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