Diese Woche steckt 3D-Druck in einer ziemlich prominenten Hosentasche: Apple fertigt das Scharnier seines ersten faltbaren iPhones additiv – in Serie. Dazu eine FCC-Eintragung, die nahelegt, dass Bambus Düsenwechsler in die günstige P-Serie wandert, zwei Ansätze gegen denselben Flaschenhals und eine Design-Challenge, bei der ihr selbst mitmachen könnt.
Kurze Korrektur zur Vorwoche: Ich hatte geschrieben, der Bauraum des Flashforge CJ270 stehe nicht auf der Produktseite. Das stimmt nicht – er steht dort in der Tabelle „Specification“: 180 × 120 × 100 mm. Danke an alle, die mich darauf hingewiesen haben. Die Zahl ist übrigens die eigentliche Pointe: Für rund 3.482 Euro bekommt man einen Bauraum von etwa Handflächengröße.
🎬 Das Video dazu
📱 Apple baut ein gedrucktes Titan-Scharnier in Serie
Apple hat sein erstes faltbares iPhone vorgestellt – und der Scharnierdeckel kommt aus dem 3D-Drucker. Er besteht aus 100 Prozent recyceltem Titan Grade 5, wird additiv gefertigt und anschließend mikrogestrahlt. Innen sitzen Verstärkungsrippen, dazu Keramikfaser-Einsätze für die Antennen.
Das komplette Scharnier besteht aus über 100 Einzelteilen, mit Wandstärken bis hinunter zu 0,15 Millimetern. Zerspanen oder Stanzen wäre bei dieser Innengeometrie schlicht nicht praktikabel gewesen. Das genaue Verfahren hat Apple nicht bestätigt – die Fachpresse geht von Laser-Pulverbettschmelzen aus.
Neu ist daran weniger das Material als die Funktion: Apple hatte additiv schon den Titan-USB-C-Port im iPhone Air und Gehäuseteile der Apple Watch. Das Scharnier ist aber das erste strukturelle, bewegliche Bauteil. Und Apple ist damit nicht einmal Vorreiter – Oppo und Honor nutzen den Ansatz bei Foldables schon länger. Oppo hat die Teilezahl im Scharnier von 92 auf 4 reduziert, bei 36 Prozent mehr Steifigkeit. Mehr bei VoxelMatters
🔧 Bambu Lab meldet den P3C bei der FCC an
Bambus Fertigungsentität Shenzhen Tuozhu Technology hat drei neue Modelle bei der US-Funkzulassungsbehörde eintragen lassen: H3C und X2D Pro am 11. September, den P3C am 15. September. Das ist alles, was belegt ist. Fotos, Innenaufbau und Handbuch bleiben auf Antrag bis März 2027 vertraulich, es gibt keinen Preis, keine offiziellen Spezifikationen und keinen Termin.
Interessant wird es durch die Namenslogik: Das „C“ stand bei Bambu bisher für den Hotend-Wechsler – aus dem H2D wurde der H2C mit dem „Vortek“-System. Ein P3C legt also nahe, dass der Werkzeugwechsler erstmals in die günstigere P-Serie wandert, die bislang außen vor war. Sicher ist das nicht, aber es wäre konsequent: Mit Sovols M1D, Crealitys K3 und HeyGears G1X ist 2026 ohnehin das Jahr des Toolchangers. FCC-Eintrag zum P3C
🔥 Zweimal gegen denselben Flaschenhals: die Hitze
Zwei Meldungen dieser Woche zielen auf dasselbe Problem – wie bekommt man schnell genug Wärme ins Filament. Bei Werkzeugwechslern ist das doppelt relevant, weil jeder Wechsel erneut Aufheizzeit kostet.
Creality hat ein Patent eingereicht (CN122719659A), das die Düse per Induktion heizen will. Das Prinzip kennt man vom Induktionskochfeld: Ein Wechselfeld erzeugt die Wärme direkt im Metall der Düse, statt sie über eine Heizpatrone im Heizblock dorthin zu leiten. Laut Patent bringt das kürzere Aufheizzeiten, eine schnellere Reaktion auf Temperatur- und Flussänderungen sowie weniger Standby-Verbrauch. Ein Dual-Modus mit klassischer Heizung ist vorgesehen. Wichtig: Das ist eine reine Patentanmeldung – kein angekündigtes Produkt, keine Timeline. Details bei Fabbaloo
Thomas Sanladerer geht dasselbe Problem von der anderen Seite an und hat sich die Innengeometrie von Düsen vorgenommen. Mehrere High-Flow-Prototypen, darunter ein „Triple-Path“-Design und Varianten mit Einbauten, die die Kontaktfläche zur Schmelze vergrößern sollen. Die Düsen wurden in Metall per SLS gedruckt und auf der Drehbank nachgearbeitet, getestet auf einer Prusa Core One. Am besten schnitt ein Entwurf namens „Fuge“ ab – begrenzt wurde das Ganze letztlich durch die Zusammensetzung des Werkzeugstahls. Zum Projekt
🤝 MakerWorld startet „Make for Good“
Bambu Lab hat auf MakerWorld eine Design-Challenge gestartet, bei der es ausnahmsweise nicht um Deko geht. Zusammen mit sieben Organisationen aus dem Bereich Assistive Technology – darunter e-NABLE France, Makers Making Change aus Kanada und die Rightfooted Foundation, deren Gründerin Jessica Cox ohne Arme geboren wurde und alles mit den Füßen macht.
Es gibt 24 Design-Briefs, und jeder beschreibt eine reale Alltagshürde einer konkreten Person. Einsendeschluss ist der 15. November 2026. Danach testen die Partnerorganisationen die besten Entwürfe einen Monat lang mit echten Nutzerinnen und Nutzern. Die Gewinnerdateien landen in offenen Bibliotheken und werden über Freiwilligennetzwerke verteilt, die laut Bambu in über 70 Ländern aktiv sind. Makers Making Change allein hat nach eigenen Angaben bereits über 30.000 Geräte mit rund 40.000 Freiwilligen ausgeliefert.
Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen man mit einem Drucker im Arbeitszimmer tatsächlich jemandem den Alltag erleichtern kann. Wer konstruieren kann: hinschauen lohnt sich. Zur Ankündigung
🧩 Zum Schluss: UV-Farbe auf Puzzles und ein Uhrwerk ohne Ticken
Angus von Maker’s Muse hat parametrische print-in-place-Schiebepuzzles entworfen – von 3×3 bis zu einer 11×11-Variante, gedruckt auf einer Prusa XL – und die Oberflächen anschließend per UV-Druck vollfarbig veredelt, inklusive Reliefmotiven. Der Knackpunkt waren gleich zwei Toleranzfragen: Zu eng, und die Kacheln klemmen. Zu locker, und das Puzzle verzieht sich. Und beim UV-Druck verklebt Overspray die Spalten zwischen den Kacheln, weshalb der Druck über den Fugen gezielt ausgespart werden musste. Zum Projekt
Und der Maker [Many Vices] hat ein historisches „stilles“ Uhrwerk nachgebaut, das 1656 von den Fratelli Campani für Papst Alexander VII. gefertigt wurde. Statt der klassischen Anker-Hemmung mit dem typischen Tick-Tack nutzt es eine exzentrische Kurbel-Hemmung und erzeugt damit eine kontinuierliche statt periodische Bewegung. Komplett in gedrucktem Kunststoff umgesetzt. Ehrlicherweise mit einem Haken: Die Kurbel-Hemmung verschwendet mehr Energie und hält die Bewegung kürzer aufrecht, weil ihr Beschleunigungsprofil nicht sauber zur harmonischen Pendelbewegung passt. Zum Nachbau
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