3D-Druck News KW36: LightMake L4 mit vier Druckköpfen, PrusaSlicer 3.0 und das Aus für zwei MakerWorld-Tools

Diese Woche startet ein Drucker auf Kickstarter, der vier Druckköpfe gleichzeitig laufen lässt – auf Linearmotoren statt Riemen. Dazu war Slicer-Woche: PrusaSlicer 3.0 kommt als komplett neu geschriebene Preview, Snapmaker Orca erkennt jetzt Spaghetti-Fehldrucke selbst. Und auf MakerWorld läuft eine Frist, bei der ihr tatsächlich handeln müsst.

🎬 Das Video dazu

🖨️ LightMake L4: vier Druckköpfe, alle gleichzeitig

LightMake hat am 1. September den Kickstarter für den L4 gestartet – nach eigener Aussage der erste Desktop-3D-Drucker mit vier unabhängigen Druckköpfen auf Linearmotoren. Riemen gibt es hier keine mehr. Der Bauraum misst 354 × 370 × 386 Millimeter, verfahren wird mit bis zu 1.000 mm/s, gedruckt mit bis zu 500 mm/s, und der Werkzeugwechsel soll in einer Sekunde durch sein.

Der interessanteste Wert steht etwas versteckt in den Specs: Gegenüber Single-Nozzle-Systemen soll der Purge-Abfall um über 79 Prozent sinken. Wer schon mal mehrfarbig gedruckt hat, weiß, wie viel Filament sonst im Mülleimer landet. Frühbucher zahlen ab 1.299 Dollar, rund 1.118 Euro; die spätere UVP liegt bei 2.399 Dollar, also etwa 2.064 Euro. Daneben startet ein kleineres Einzelkopf-Modell namens L1 ab 1.099 Dollar, rund 946 Euro.

Wichtig zur Einordnung: Das ist ein Kickstarter, kein fertiges Produkt. Die Auslieferung ist für das vierte Quartal 2026 angekündigt, und bei Crowdfunding verschieben sich solche Termine erfahrungsgemäß. Ich habe kein Testgerät und keine Vereinbarung mit LightMake – das hier ist eine Nachricht, keine Empfehlung. Zur Kickstarter-Kampagne

🧩 Slicer-Woche: PrusaSlicer 3.0 und Snapmaker Orca 2.3.6

Prusa hat am 1. September die erste Preview von PrusaSlicer 3.0 veröffentlicht – laut eigener Aussage das größte Update in der Geschichte des Slicers. Die Oberfläche wurde komplett neu geschrieben, und es gibt endlich mehrere unabhängig konfigurierbare Druckbetten in einem Projekt. Dazu kommt ein Plugin-System auf Lua-Basis, das in einer Sandbox läuft; Kalibrier-Plugins für Flow- und Temperaturtürme sind direkt mit dabei.

Der Termin war kein Zufall: Auf den Tag genau 15 Jahre vorher entstand der erste Slic3r-Commit, aus dem PrusaSlicer hervorgegangen ist. Bevor ihr jetzt losladet – es ist eine frühe Alpha. Aktuell werden nur Prusa-Drucker unterstützt, und einige Funktionen aus 2.9.6 fehlen noch und kommen erst mit 3.1. Als Ersatz für eure Produktivversion taugt das noch nicht. Ankündigung im Prusa-Blog

Parallel dazu ist am 31. August Snapmaker Orca 2.3.6 als stabile Version erschienen. Die spannendsten Neuerungen: Timelapse-Videos lassen sich jetzt direkt aus dem Slicer exportieren (Firmware V1.6.0 oder neuer vorausgesetzt), und die Software erkennt Spaghetti-Fehldrucke sowie Fremdkörper auf dem Druckbett automatisch. Dazu kommt ein automatisches Farbmisch-Mapping für Modelle mit mehr als vier Farben. Nebenbei wurden Speicherabstürze beim Slicen voller Druckbetten unter Windows und Linux behoben. Release Notes auf GitHub

⚡ eufyMake E1: doppeltes Tempo per Firmware-Update

Für meinen eufyMake E1 ist der bidirektionale Druck jetzt allgemein verfügbar – angekündigt am 3. September, kostenlos, ab Firmware 4.0.9 zusammen mit der PC-Software 4.3.3. In eufyMakes eigenem Test brauchte dasselbe Motiv bei identischen Einstellungen im Standarddruck 18 Minuten und 34 Sekunden, bidirektional dagegen 9 Minuten und 30 Sekunden. Je nach Workflow spricht der Hersteller von 40 bis 75 Prozent Zeitersparnis.

Eine Einschränkung gehört dazu: Der Modus greift nur beim unterstützten Flachdruck. Für Rotary, Roll-to-Film und flexibles Weiß gilt er nicht. Auf der IFA in Berlin hat Anker außerdem einen Desktop-Textildrucker als Preview gezeigt, der Direct-to-Garment und Direct-to-Film in einem Gerät kombiniert – Launch geplant für das erste Quartal 2027, Preise gibt es noch keine. Für den E1 selbst stehen als Nächstes das Roll-to-Film-Attachment Ende September und ein Tintensystem mit hoher Kapazität im vierten Quartal an. Details bei eufyMake

⏳ MakerWorld schaltet AI Scanner und PrintMon Maker ab

Das hier ist der Punkt mit echtem Handlungsdruck. Bambu Lab hat angekündigt, zwei Werkzeuge aus dem MakerLab abzuschalten. Ab dem 20. September 2026 ist der AI Scanner komplett weg – der hat reale Gegenstände per Kamera erfasst und daraus druckbare Modelle abgeleitet. Der PrintMon Maker, die generative AI für kleine Sammelfiguren, verschwindet aus dem Menü.

Bestehende Links zum PrintMon Maker funktionieren zwar weiter, aber neue Projekte anlegen, AI-Funktionen nutzen oder vorhandene Projekte bearbeiten geht dann nicht mehr. Immerhin: Was ihr bereits mit MakerLab-Credits bestätigt habt, bleibt langfristig erhalten und lässt sich weiterhin exportieren. Wenn ihr also noch etwas vorhabt, macht es vor dem 20. September.

Bambu begründet den Schritt damit, dass die Tools in ihrer jetzigen Form die Qualitäts- und Nutzungserwartungen der Community nicht mehr erfüllen. Ersatz sei geplant, aber ohne Termin und ohne Details. Bemerkenswert ist die Reaktion unter dem Ankündigungspost: Statt Bedauern überwiegt Zustimmung. Der meistbeachtete Kommentar fordert, härter gegen AI-Modelle im Exclusive-Programm vorzugehen. Kritik kam vor allem von Nutzern, die kurz zuvor noch Credits gekauft hatten. Ankündigung auf MakerWorld

🤖 Berkeley Humanoid Lite: Roboter mit gedruckten Getrieben

Ein Open-Source-Projekt zeigt, wie günstig ein humanoider Roboter werden kann, wenn man konsequent druckt: Rahmen und Aktuatoren des Berkeley Humanoid Lite bestehen größtenteils aus 3D-gedruckten Teilen. Die Aktuatoren kombinieren Motoren mit gedruckten Zykloidgetrieben und Magnetencodern und sind modular aufgebaut.

Die gesamten Hardwarekosten liegen unter 5.000 Dollar, also rund 4.303 Euro – deutlich unter dem, was kommerzielle Humanoide kosten. Auf GitHub liegt das komplette Repository mit allen Baudaten, inklusive Videos zur Teleoperation per VR. Für mich ist das der beste Beleg dieser Woche dafür, dass 3D-Druck echte mechanische Funktionsteile trägt und nicht nur Deko. Projektvorstellung bei Hackaday

🔦 Laser statt Aceton – und stößt FDM langsam an seine Grenzen?

Ein Maker hat zwei Diodenlaser auf der X-Achse seines Druckers montiert und glättet damit fertige Oberflächen, indem er sie gezielt anschmilzt – eine chemiefreie Alternative zum Aceton-Dampfbad. Das Ergebnis ist auf Topflächen deutlich überzeugender als an den Wänden, und je nach Bauteilgeometrie braucht es unterschiedliche Strategien. Zum Projekt

Passend dazu eine Frage, über die es sich zu diskutieren lohnt: Hat Consumer-FDM sein Plateau erreicht? Eine Hackaday-Kolumne argumentiert, dass Auflösung und Mechanik an physikalische Grenzen stoßen und der Sprung von 2020 auf 2026 viel kleiner ausfällt als frühere Generationswechsel. Input Shaping und bessere CoreXY-Kinematik erlauben heute Teile, für die man früher SLA gebraucht hätte – die nächsten großen Sprünge sieht der Artikel aber eher beim UV-Druck und bei SLS. Was meint ihr? Zur Kolumne

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