Diesmal gibt’s die doppelte Ladung: In KW33 ist die News-Ausgabe ausgefallen, weil ich auf der Maker Faire in Hannover war. Dafür kommen hier jetzt zwei Wochen 3D-Druck auf einmal – mit Patenten, Toolheads im Achterpack, Prusa-Upgrades zum Nachrüsten und einer Rakete, die einen echten Blitz eingefangen hat.
🎬 Das Video dazu
🔩 Bambu Lab patentiert ein Hotend-Rack mit neun Bays
Am 14. August wurde das Patent CN 122560413 A von Bambu Lab veröffentlicht (angemeldet bereits im November 2025). Darin beschrieben: ein Rack mit neun Bays für Hotends. Wichtig ist der Unterschied zum klassischen Toolchanger à la Prusa XL – dort parkst du den kompletten Werkzeugkopf inklusive Extruder und Motor. Hier bleibt der Extruder am Toolhead, getauscht wird nur das Hotend. Der Clou steckt in der Mechanik: Entriegeln vom Toolhead und Einrasten im Rack passieren in einer einzigen Bewegung statt in zwei. Ein Mechanikschritt weniger, der schiefgehen kann. Konzeptuell verwandt ist das mit Bambus eigenem Vortek-System und Bondtechs INDX.
Und jetzt die ehrliche Einordnung, weil das gerade überall als „der neue Bambu-Drucker“ durchs Netz geht: Das ist ein Patent. Mehr nicht. Kein bestätigtes Produkt, kein Modellname, kein Termin, kein Preis. Firmen patentieren ständig Dinge, die nie in einem Karton landen. Aus der Praxis mit vier Köpfen am Snapmaker U1: Die Wechselzeit ist selten das Problem – die Offsets sind es. Vier Köpfe heißt vier Kalibrierungen, die zueinander passen müssen. Bei neun wird das nicht einfacher, dazu kommen Platzbedarf und Wartung, denn jedes Hotend ist ein Verschleißteil. Wenn Bambu die Kalibrierung automatisiert, wird es richtig spannend. Vorher nicht.
🔗 Quelle: 3D Printing Cost Calculator
🎨 AxiLoop MC8: acht Toolheads, acht Spulen, kein Purge-Turm
Ein Hersteller, von dem die meisten noch nie gehört haben, geht dasselbe Problem völlig anders an. Der AxiLoop MC8 hat acht Toolheads – und acht Filamentspulen, die direkt am Gehäuse hängen. Laden und Entladen läuft automatisch, von Hand einlegen musst du nichts.
- Bauraum 300 × 300 × 300 mm
- bis zu 600 mm/s Druckgeschwindigkeit
- Bed-Leveling mit 2.500 Messpunkten
- Touchscreen und App-Anbindung
- Hersteller verspricht 10-fache Materialersparnis gegenüber klassischem Multicolor
Der eigentliche Verkaufspunkt ist der Purge-Turm – beziehungsweise dass es keinen gibt. Wer schon mal sechsfarbig gedruckt und danach ein halbes Kilo bunten Poop in der Hand gehalten hat, weiß, dass das kein Marketing-Nebenthema ist. Preis und Verfügbarkeit sind noch offen. Die erste öffentliche Demo läuft auf der Formnext Asia in Shenzhen vom 26. bis 28. August 2026. Damit stehen zwei Wege zum selben Ziel nebeneinander: Bambu tauscht Hotends, AxiLoop verbaut acht Köpfe fest. Beide wollen bunt drucken, ohne die Hälfte des Filaments wegzuwerfen.
➕ Prusa hebt XL, CORE One L und CORE One auf „+“
Am 13. August hat Prusa ein größeres Produkt-Update veröffentlicht und gleich drei Modelle mit einem Plus versehen. Die XL+ kriegt am meisten ab: 360-Grad-Kühlsystem, einen Tool Offset Sensor, der die Kalibrierung laut Prusa 20-mal schneller macht, neue GT1.5-Riemen, einen integrierten Düsenwischer, High-Flow-Düsen serienmäßig und ein Kammerthermostat bis 60 °C. Der Tool Offset Sensor ist genau die Antwort auf das, was ich oben bei Bambu bemängelt habe – Faktor 20 ist für XL-Besitzer das eigentliche Highlight. CORE One L+ und CORE One+ (jetzt als Gen 2) bekommen ebenfalls GT1.5-Riemen und Düsenwischer, die Gen 2 zusätzlich schnelleres Aufheizen und ein austauschbares Snap-On-Oberteil.
Der Teil, der mir richtig gefällt: Es gibt Upgrade-Kits für Bestandskunden, gestaffelt ab Ende August / Anfang September – und die Druckerpreise bleiben gleich. Das ist nicht selbstverständlich. Der übliche Weg wäre: neues Modell, neue Nummer, alte Kunden gucken zu. Prusa liefert die Verbesserungen stattdessen nach. Genau deshalb bleiben Leute bei Prusa, obwohl es woanders mehr Bauraum fürs Geld gibt.
📦 QIDI Plus5: Großformat für unter 750 Dollar
Anfang August (05.08.2026) hat QIDI den Plus5 gelauncht – und im Gegensatz zu den ersten beiden Stories ist der nicht angekündigt, sondern sofort lieferbar.
- Bauraum 320 × 320 × 300 mm – rund 18 % mehr Volumen als beim Plus4
- beheizte Kammer bis 65 °C
- Hotend bis 370 °C
- 749 USD regulär, mit kostenloser Mitgliedschaft unter 700 USD, Combo-Version 899 USD
- Launch-Preis gilt nur bis 31.08.2026
Diese Kombination ist der Punkt: 65 °C Kammer plus 370 °C Hotend heißt PA, PC und PPS-CF – also die Materialien, die im offenen Drucker gerne warpen. Und das in einem Bauraum, in den auch mal ein größeres Funktionsteil am Stück passt. Ich habe selbst einen Qidi Q2 hier stehen: Qidi baut solide Maschinen mit ordentlicher Hardware zum fairen Preis, hakt aber traditionell bei Software und Feinschliff – da ist Bambu einfach runder. Wenn du auch mal ein Profil selbst anfasst, kriegst du hier verdammt viel Drucker fürs Geld. Wenn du „einschalten und es läuft“ willst, guck vorher genau hin. Und zur Klarstellung: Ich habe den Plus5 nicht hier und konnte ihn nicht testen – das ist nur die Marke, wie ich sie aus dem Alltag kenne.
🌡️ MeltCalc: Flow-Raten nachschlagen statt selbst testen
Jetzt was für die Praxis – ohne Kaufen, ohne Warten, ohne Kickstarter. Seit dem 18. August gibt es MeltCalc: eine Hot-End- und Materialdatenbank, in der du nachschlagen kannst, welche Flow-Rate dein Hotend mit einem bestimmten Material realistisch schafft.
Bisher hattest du zwei Optionen: den Herstellerangaben glauben (die sind, sagen wir mal, optimistisch) – oder für jedes Material einzeln Flow-Tests fahren, was einen Abend und ein paar Meter Filament kostet. MeltCalc ist der Mittelweg: nachschlagen, was andere gemessen haben, und mit einem realistischen Startwert reingehen. Deine eigene Kalibrierung ersetzt das nicht, aber es spart dir die ersten drei Fehlversuche.
🔦 Laser-Layer-Bonding: fast isotrope Festigkeit
Diese Story rüttelt an einem der ältesten Probleme im FDM-Druck. Du kennst das: Ein Teil ist in X und Y ziemlich stabil, bricht aber in Z entlang der Schichten. Weil jede neue Schicht auf bereits abgekühltes Material gelegt wird und die beiden nicht richtig verschmelzen, sondern nur aneinanderkleben. Der Ansatz aus der Forschung: Ein Laser heizt die bereits gedruckte Schicht direkt vor dem Extrudieren wieder auf. Die Düse legt das neue Material also nicht auf kaltes Plastik, sondern auf angeschmolzenes – die Schichten verschmelzen deutlich besser, das Ergebnis geht Richtung isotroper Festigkeit.
Wenn du Funktionsteile druckst – Halterungen, Gehäuse, alles was was aushalten soll – ist das die relevanteste Entwicklung dieser Ausgabe. Deutlich relevanter als noch mehr Farben. Realitätscheck: Das ist Forschung, kein Kaufprodukt. Und einen Laser mit einem bewegten Toolhead zu koppeln, ist thermisch wie sicherheitstechnisch nicht ohne. Aber die Richtung stimmt.
⚡ Eine 3D-gedruckte Rakete löst einen echten Blitz aus
Und zum Schluss die Story, bei der ich beim Lesen erstmal laut gelacht habe: Leute haben eine 3D-gedruckte Rakete gebaut, sie bei Gewitter gestartet – und damit einen echten Blitzeinschlag ausgelöst. Keine Simulation, kein Rendering. Die Rakete fliegt in Richtung Gewitterwolke, zieht dabei einen leitfähigen Pfad nach oben, und dann kommt der Blitz da runter. Die Bilder sind absolut spektakulär.
Ich liebe sowas, weil es zeigt, wofür diese Maschinen eigentlich stehen. Die halbe Branche redet über Toolchanger, Kammertemperaturen und Flow-Raten – und dann kommt jemand daher und benutzt seinen Drucker, um Blitze zu ernten. Aus reiner Neugier. Kleiner Disclaimer, weil ich sonst schlecht schlafe: Bitte nicht nachmachen. Das ist echte Hochspannung aus der Atmosphäre und lebensgefährlich. Anschauen: ja. Nachbauen: auf gar keinen Fall.
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